Marketing
Von Luka Scuric


Viele Kanzleien haben in den vergangenen Jahren in Suchmaschinenoptimierung investiert und stehen bei Google ordentlich da. Trotzdem berichten immer mehr, dass die Anfragen über die Website zurückgehen. Der Grund liegt selten in der Website selbst. Er liegt darin, dass ein wachsender Teil der Suchen gar nicht mehr in einer Trefferliste endet.
Zwei Ziele, die leicht verwechselt werden
SEO verfolgt ein klares Ziel: Ihre Website soll in der Ergebnisliste möglichst weit oben stehen, damit jemand darauf klickt. GEO verfolgt ein anderes: Ihre Kanzlei soll in der Antwort genannt werden, die ein KI-System formuliert. Im ersten Fall gewinnen Sie einen Klick, im zweiten eine Empfehlung.
Das klingt nach einer Nuance, verändert aber die gesamte Arbeitsweise. Für einen guten Platz in der Liste optimiert man Seitentitel, Ladezeiten, Verlinkungen und Keyword-Abdeckung. Für eine Nennung in der Antwort muss ein Modell verstehen, wer Sie sind, wofür Sie stehen und warum Ihre Aussagen belastbar sind.
Was SEO leistet, und wo es an eine Grenze stößt
Klassisches SEO funktioniert weiterhin. Wer eine konkrete Kanzlei sucht oder gezielt vergleichen will, landet nach wie vor in der Trefferliste. Dieser Weg verschwindet nicht, und es wäre ein Fehler, ihn aufzugeben.
Die Grenze zeigt sich bei einem anderen Verhalten. Immer häufiger stellen Menschen ihre Frage vollständig und erwarten eine fertige Antwort. Sie öffnen keine fünf Seiten mehr, sondern lesen einen Absatz und handeln danach. In diesem Moment entscheidet nicht Ihr Rankingplatz, sondern ob Ihr Name im Text vorkommt.
Für Kanzleien ist das besonders spürbar, weil rechtliche Fragen fast immer als Problembeschreibung formuliert werden und nicht als Suchbegriff. „Mein Vermieter hat mir fristlos gekündigt, was kann ich tun?“ ist eine Frage an ein Sprachmodell, kein Keyword.
Was GEO zusätzlich leistet
GEO setzt an den Signalen an, aus denen KI-Systeme ihre Empfehlungen ableiten. Dazu gehören strukturierte Angaben über die Kanzlei, konsistente Informationen über verschiedene Quellen hinweg und Inhalte, die eine Frage so beantworten, dass die Antwort direkt übernommen werden kann.
Der Unterschied im Ergebnis lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: auffindbar gegenüber zitierbar. Auffindbar heißt, dass jemand Sie mit etwas Suchaufwand entdeckt. Zitierbar heißt, dass ein System Sie von sich aus als Quelle nennt, ohne dass der Nutzer suchen muss.
Ein Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir eine Kanzlei für Arbeitsrecht in Hamburg. Bei Google steht sie für „Anwalt Arbeitsrecht Hamburg“ auf Seite eins. Fragt man ChatGPT dagegen „Ich habe eine Abmahnung bekommen, an wen wende ich mich in Hamburg?“, taucht sie nicht auf, weil das Modell keine belastbare Verbindung zwischen dieser Kanzlei, dem Thema Abmahnung und dem Standort Hamburg herstellen kann.
Der Rankingplatz ist also vorhanden, die Empfehlung fehlt. Beides gehört zusammen, wird aber von unterschiedlichen Maßnahmen erzeugt.
Wo sich beide Disziplinen überschneiden
Es gibt gemeinsame Grundlagen. Eine technisch saubere, schnell ladende Website hilft beiden Seiten. Klar gegliederte Inhalte ebenfalls. Und Inhalte, die eine Frage wirklich beantworten statt sie nur anzukündigen, wirken sowohl auf Rankings als auch auf die Zitierfähigkeit.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Sprache. SEO-Texte sind oft auf Suchbegriffe hin geschrieben. Für GEO zählt, ob ein Satz für sich allein stehen und korrekt weitergegeben werden kann.
Was das für Ihre Prioritäten bedeutet
Wer heute bei Google gut sichtbar ist, sollte das nicht aufgeben. Sinnvoll ist, die vorhandene Grundlage zu nutzen und gezielt um die Signale zu ergänzen, die KI-Systeme brauchen. In dieser Reihenfolge entsteht kein Bruch, sondern ein Ausbau.
Wer dagegen bei Google ohnehin schwach aufgestellt ist, steht vor einer Grundsatzentscheidung. In stark umkämpften Rechtsgebieten kann es sinnvoller sein, Kraft in die KI-Sichtbarkeit zu stecken, weil dort noch deutlich weniger Kanzleien systematisch arbeiten.
Häufige Fragen
Ersetzt GEO das klassische SEO?
Nein. Beide Wege führen zu unterschiedlichen Arten von Aufmerksamkeit und werden auf absehbare Zeit nebeneinander bestehen. Wer nur auf eines setzt, verzichtet auf einen Teil der Mandanten.
Kann ich das Ergebnis messen?
Nicht mit klassischen Rankingwerkzeugen. Man misst es, indem man den Systemen regelmäßig dieselben Fragen stellt und dokumentiert, welche Namen genannt werden. Das ist aufwendiger als eine Rankingabfrage, aber es zeigt genau das, worauf es ankommt.
Lohnt sich das schon, oder ist es zu früh?
Der Anteil der Suchen, die in einer KI-Antwort enden, wächst. Wer jetzt anfängt, baut Signale auf, während der Wettbewerb noch wenig aktiv ist. Wer wartet, muss später gegen etablierte Nennungen anarbeiten.






